Sempervivum

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Deutsche Namen der Gattung Sempervivum

erschienen in der Semperpost, Heft No. 10, Dezember 2004 © Erwin Geiger

Man hat den ein oder anderen deutschen Namen der Gattung Sempervivum bestimmt schon einmal gehört - ja manche klingen sogar nach Zutaten für einen Zaubertrank:

HAUS-, DONNER-, WETTER- oder DACHWURZ, STEIN- oder DONNERROSE, HAUSLAUCH, DONARSBART und DONNERKRAUT...

Aber kennen Sie auch schon die Namen mancher Arten oder Kultivare?

Aus teilweise antiquarischer Literatur konnte ich einiges zusammentragen:

I. Sempervivum arachnoideum - Gruppe

Spinnwebsteinwurz, Spinnwebsteinrose(Neben S. tectorum sicherlich die bekannteste Art)

Perlenspinnwurz
S. arachnoideum var. doellianum (syn. von S. arachnoideum ssp. arachnoideum)

Rotmoos-Steinwurz
S. arachnoideum var. hookeri (syn. von S. x barbulatum cv. Hookeri = S. arachnoideum x S. tectorum)

Silbermantelsteinwurz, Karl Foerster bezeichnete sie auch als "Silberspinner"
S. arachnoideum ssp. tomentosum

Silbermosaiksteinwurz, Silbermosaiksteinrose
S. arachnoideum 'Minor' (Synonym von cv. Minus - nicht zu verwechseln mit S. minus!)

Wimpernsteinrose
S. x fimbriatum (S. arachnoideum x S. wulfenii)

 

II. Sempervivum tectorum - Gruppe

Dachsteinwurz, Donnerwurz
Alle nachfolgend beschriebenen "Arten" wurden mittlerweile zu S. tectorum var. tectorum gestellt und sind als Synonyme anzusehen.

Alpenhauswurz, Turmalinsteinrose
S. alpinum (syn. cv. Alpinum) - beschrieben von Grisebach & Schenk im Jahre 1852 in Linnaea, XXV, S. 600
Anmerkung: ist "Turmalin" ein deutscher Name von S. alpinum? Dass der gleichnamige Kultivar von Kayser & Seibert stammt ist unwahrscheinlich, da er in keinem der Sortimentskataloge aufgeführt wurde.

Apennin-Steinwurz
S. tectorum cv. Glaucum (syn. cv. Glaucum, cv. Glaucum Minor, S. schottii Baker) - beschrieben von Tenore im Jahre 1830 - Correvon: "große, grünlich-graue Rosetten, Ø 8 - 10 cm"

(Boden-) Panzersteinwurz
S. lamottei - beschrieben von Boreau im Jahre 1859
KF: "Sie hat ihren Namen den fabelhaften Kräften zu verdanken, mit denen sie ihre festen grünen, rotgespitzten Platten gegen alles Unkraut und gegen Schatten durchsetzt und sich auf die Dauer mit ihren flachen Panzerdecken behauptet."

Olivsteinwurz
S. mettenianum - beschrieben von Schnittspahn & C. B. Lehmann in 1855, gesammelt in den Pyrenäen.
Karl Foerster (KF): "Ziemlich große Rosetten in tadellosen Zustand, die mit größter Üppigkeit zu dichten Polstern und Flächen ausbauen."

Pyrenäenkrone
S. pyrenaicum - beschrieben von Lamotte in 1864

Pyrenäen-Steinwurz
S. boutignyanum - beschrieben von Billot & Grenier in 1853

Riesenolivsteinwurz
S. tectorum cv. Giganteum
Eingeführt von KF (man sagt es sei ein Sämling von cv. Metallicum Giganteum?): aus seinem Werk 'Der Steingarten der sieben Jahreszeiten': "Sie wächst sich, wenn ihr der Platz passt, zu riesigen Rosetten aus. Andernfalls hält sie sich in mäßig großen Rosetten. Die Farbe ist das gleiche Olivgrün, was eigentlich in der Pflanzenwelt sonst nicht vorkommt, wie bei S. mettenianum"

Riesentellersteinwurz
S. tectorum cv. Monstrosum
Stauden Germann: "Große graugrüne, riesige flache Schalen in Form und Charakter von allen zu unterscheiden" - die Rosetten haben einen Durchmesser bis zu 25 cm!

Seerosen-Steinwurz
S. tectorum cv. Robustum - beschrieben von Jordan & Fourreau im Jahre 1868, Herkunft: Alpes Maritimes in Frankreich (Seealpen)
KF: "eine bläulichgrüne, riesenrosettige Sorte mit etwas bräunlicher Tönung"; lt. Correvon aber nur 8 - 10 cm im Durchmesser...

Grüne Riesensteinwurz
S. tectorum cv. Maximum - in den Ostalpen gesammelt und von Karl Foerster benannt: "Unter allen grünen "Riesensempervivum" hielt sich diese in unversehrbarer Kraft und Dauer bei stärkster Tendenz, große Rosetten zu bilden. Es gab wohl größere und schönere grüne Riesen, die uns jahrelang entzückten - bis dann ein schwerer schneeloser Winter zu vollen oder halben Schäden führte, während unser Typ in alter Pracht verharrte. Zu Winterschutzempfehlungen mochten wir uns nicht entschließen."
Anmerkung: in KF's "Der Steingarten der sieben Jahreszeiten" steht vor dem Kultivarnamen S. marmoreum (S. schlehanii) - Sicherlich ist dies eine S. tectorum - Sorte, da S. marmoreum nicht in den Alpen verbreitet ist.

 

III. Sempervivum marmoreum Gruppe

Gobelinsteinrose
S. marmoreum cv. Rubrifolium (=S. schlehanii Rubrifolium)
Beschreibung aus dem Katalog von Stauden Germann: "Altertümlich grünblau gefärbt". cv. Rubrifolium wird fälschlicherweise öfter als syn. für cv. Rubicundum angesehen.

Mahagonisteinrose
S. rubicundum = syn. von S. marmoreum ssp. marmoreum cv. Rubicundum - beschrieben von Schur in 1858, einzigartige Färbung: weinrot mit grünen Rändern und Spitzen. Der Ursprung vieler Gartenhybriden, wie z.B. cv. Commander Hay, cv. Hayling oder cv. Rouge.

 

IV. weitere Arten und Kultivare

Berghauswurz
S. montanum

Bronzeriese
S. cv. Zirkon - KF: "Mit dunkelroten Rosetten, dem cv. Topas sehr ähnlich in unersetzbarer Farbenschönheit. Fehlerfrei und fast nicht blühend: dabei stärker wachsend als cv. Topas. Es ist auch eine Pflanze unter dem Namen "Zircon" im Umlauf, die von David T. Ford aus Großbritannien stammen soll. Über die Herkunft von cv. Zirkon habe ich keinerlei Angaben gefunden. Auch ein anderer Klon ist vor allem in England unter dem Namen "Topaz" weit verbreitet. Darüber folgt noch ein ausführlicher Artikel in einer späteren Ausgabe.

Feuerschalenhauswurz
S. cv. Spinell (syn. S. spinelli ? - wurde nie beschrieben),
unbekannte Herkunft, Gräfin von Zeppelin gab in Ihrem Katalog Goos & Koenemann als Züchter an. Köhlein schrieb in seinem Buch dieser Kultivar ist eine Sorte von Kayser & Seibert von 1965. cv. Spinell wurde jedoch bereits 1956 in dem Buch "Neuer Glanz des Gartenjahres" von Karl Foerster erwähnt und auch in keinem der Sortimentskataloge der Staudengärtnerei K&S aufgeführt.

Graugrüne Dickblattsteinwurz, Fettblattsteinwurz
S. ruthenicum

Große Kupfersteinwurz
S. cv. Triste (S. triste) - beschrieben und benannt von J. G. Baker im Jahre 1879 in Gard. Chron. II, Seite 39
KF: "Er ist der goldbraunste aller wilden Steinwurz und wird von Kennern für den echten Typ gehalten - im Gegensatz zu einem tiefroten, aber kleinrosettig werdenden."

Rotsandsteinriese - Rotsandsteinwurz - Stahlriese
S. marmoreum? cv. Metallicum Giganteum (syn. S. metallicum cv. Giganteum, cv. Metallicum), diese Sorte bekam ihren Namen nach der Farbe des Gesteins, metallische Rosetten, eines der größten und schönsten Sempervivum. Die oben aufgeführten Gartennamen führten dazu, dass diese Sorte auch unter dem Kultivar Namen "Rotsandsteinriese" und "Stahlriese" in unseren Sammlungen weit verbreitet ist.
In einem Katalog von Kayser & Seibert aus dem Jahre 1938 fand ich den Zusatz "Durch Kreuzung der größten und schönsten Sempervivum ist es gelungen, eine riesenrosettige Art in den herrlichen Metallfarben der Echeverien zu erzielen."
Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei cv. Feldmaier (auch als "Typ Feldmaier" in Kultur) um denselben Klon.

Rotspitzensteinwurz, Kalk-Steinwurz
S. calcareum (wurde früher zu S. tectorum gestellt)

Serpentinhauswurz
S. pittonii

 

V. Sektion Jovibarba

Bronzewirbel-Steinwurz
S. reginae-amaliae - beschrieben von Baker in 1877 (mittlerweile zu S. heuffelii gestellt = Jovibarba heuffelii) auch hier nicht zu verwechseln mit S. reginae-amaliae - beschrieben von Heldreich & Sartori ex Boissier in 1872 - die mittlerweile von Ben Zonneveld als ssp. von S. marmoreum gestellt wurde.
KF: "die Bronzewirbel-Steinwurz aus Griechenland ist zu den markantesten Erscheinungen im Reiche der 40 bis 50 führenden klassischen Gartenwerte dieses lebenden Ornamentschatzes zu rechnen."

Grüne Kugel Steinwurz, Kugelsteinrose
S. globiferum (=Jovibarba sobolifera) - nicht zu verwechseln mit S. globiferumbeschrieben von Wulfen im Jahre 1778, dessen Name als syn. für S. wulfenii steht!

Mooskugel-Steinwurz
S. globiferum ssp. arenarium - (= Jovibarba arenaria), in England auch "hen and chicks" (Henne mit Küken) genannt.

Kurzhaar Donarsbart
S. globiferum ssp. hirtum (= Jovibarba hirta)

 

Quellenangaben:
Katalog der Bornimer Staudenkulturen von 1967 - 1969
von Kayser & Seibert aus dem Jahre 1938 / 39
Angebotsliste Stauden - Germann
Karl Foerster: Neuer Glanz des Gartenjahres (1956) und der Steingarten der sieben Jahreszeiten (1954)